Investitionen in soziale Dienste

Der Sozialbereich ist ein wichtiger und wachsender Bereich in Europa, der sich jetzt auch Krediten und anderen Formen von privater Finanzierung zuwendet, um einen Teil seiner finanziellen Erfordernisse abzudecken. Das bedeutet eine riesige Investitionsmöglichkeit für private Investoren, in einen neuen, noch unbekannten Markt einzutreten; das Investitionsvolumen geht in die Milliarden von Euro.

Das ist eindeutig eine Gelegenheit zur Schaffung einer inklusiveren Gesellschaft, die sich Investoren nicht entgehen lassen sollten; und auch der Eintritt in einen wichtigen neuen Sektor. Der Europäische Fonds für strategische Investitionen könnte auch den Zugang zu diesem Sektor erleichtern, indem er mögliche Anfangsrisiken mindert.

 

Die meisten sozialen Dienste werden in erster Linie von öffentlichen Verwaltungsbehörden finanziert. Die meisten Vereinbarungen zwischen den Dienstleistungsanbietern und den öffentlichen Behörden beinhalten einen Teil, der für Investitionen und Innovationen vorgesehen ist. Das heißt, dass es hier einen verlässlicheren Zahlungsfluss für Kreditrückzahlungen gibt, wie wenn sich der Kreditgeber nur auf die Einnahmen aus anderen privaten Einnahmequellen verlassen müsste. Es ist aber wichtig, anzumerken, dass die Finanzierung von sozialen Dienstleistungen von Land zu Land verschieden ist, ja sogar von Region zu Region.

Untersuchungen in einigen EU Ländern zeigen, dass der Sozialbereich (bestimmte Subsektoren) eine nachweislich bessere oder viel bessere Rückzahlungsmoral und weniger Kreditausfälle aufweist als Industrie, Handel und Landwirtschaft. Abhängig vom Einzelfall oder dem Subsektor, kann dies damit erklärt werden:

- ein System einer verpflichtenden Autorisierung (und damit die Einhaltung von Qualitätskriterien) für den Träger,

- ein Subventionssystem für anerkannte Träger,

- Kontrollmechanismen und Überwachung durch nationale, regionale und lokale Verwaltungsbehörden,

- eine wachsende Nachfrage nach bestimmten Leistungen und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Nachfrageentwicklung, wie bei Angeboten für psychische Gesundheit, Angebote für Menschen mit Behinderungen oder für ältere Menschen

- andere Einnahmequellen oder eine bessere Diversifizierung der Einnahmen als im traditionellen Wirtschaftsbereich, wie Wohlfahrtsverbände, Spenden, Erbschaften, Subventionen, langfristige Zuwendungen von Stiftungen etc.,

- ein geregeltes, gesetzliches oder sogar verfassungsmäßig festgelegtes Recht auf Leistungen, die in nationalen, regionalen oder lokalen Dekreten oder Gesetzen festgeschrieben sind,

- die Tatsache, dass ein Teil der Akteure öffentliche Akteure sind und daher nicht so leicht untertauchen können;

- besseres Image als die herkömmliche Industrie oder Privatwirtschaft.

Die sozialen Dienstleistungen können ganz allgemein definiert werden als “Leistungen für ältere Menschen, für Menschen mit Behinderungen, für Kinder als auch Angebote für ausgegrenzte und benachteiligte Personengruppen“.

Der Sozialbereich ist derzeit der Sektor, der die meisten Arbeitsplätze in Europa schafft:

- Er beschäftigt mehr als 10 Mio Menschen in Europa

- Er hat seit 2008 über 2 Mio neue Arbeitsplätze geschaffen.

Gemeinsam mit dem Gesundheitsbereich erbringt der Sozialbereich 7% der gesamten Wirtschaftsleitung der EU-28[1]. Es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, aber Länder wie das Vereinigte Königreich, Niederlande, Belgien, Deutschland und die skandinavischen Länder geben mehr als 10% ihres BNP für Sozial- und Gesundheitsdienste aus.

Der Sektor wird aufgrund der alternden Gesellschaft, der Veränderung von Familienstrukturen und der Weiterentwicklung der verpflichtenden sozialen Rechte weiter wachsen. Das führt eindeutig zu einer steigenden Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen, aber auch zu Veränderungen bei der Leistungserbringung.

 


[1] European Commission – EU Employment and Social Situation – Quarterly Review – Supplement December 2014

In den meisten EU Mitgliedsstaaten sind Anbieter von sozialen Dienstleistungen Klein- oder Mittelbetriebe mit weniger als 500 Mitarbeiter/innen. Sie sind meist Teil der Sozialwirtschaft, aber das ist nicht überall der Fall.

Bereich der sozialen Dienstleistungen ist jedoch sehr unterschiedlich; es gibt Anbieter, die mehr als 10.000 Mitarbeiter/innen haben und andere gerade ein paar wenige. Alle EU Mitgliedsstaaten haben drei verschiedene Arten von Organisationen (gemeinnützig, öffentlich, privat), die Dienstleistungen anbieten, allerding in sehr unterschiedlichem Ausmaß. In West- und Südeuropa sind die meisten Anbieter gemeinnützige Organisationen. In Skandinavien werden die Dienstleistungen von den lokalen oder regionalen Behörden nicht nur finanziert, sondern auch durchgeführt. In UK und Irland kommen die meisten Anbieter aus dem privatwirtschaftlichen Sektor.

Die Finanzierung kommt in erster Linie aus öffentlichen Mitteln, da es sich um gesellschaftlich wichtige Dienstleistungen im allgemeinen/öffentlichen Interesse handelt. Dies geschieht normalerweise durch verschiedene Formen von ausgelagerten Aufträgen der lokalen Verwaltungen. Es variiert jedoch von Land zu Land.

 

Durch die steigende Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen wie auch durch die Notwendigkeit der Veränderung hin zu wohnortnahen und selbstermächtigenden Modellen der Betreuung besteht im Sozialbereich ein sehr großer Investitionsbedarf. Der Sozialbereich ist an sich ein sehr innovativer Bereich und immer auf der Suche nach neuen Wegen für ein hochwertiges Angebot und daher auch auf der Suche nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten.

Dienstleistungsanbieter brauchen aktuell Kredite zur Finanzierung von folgenden Aufgaben und Projekten:

• Aus- und Weiterbildung von Mitarbeiter/innen

• Innovative Methoden der Leistungserbringung

• Soziale Wohnmöglichkeiten und betreutes Wohnen

• Notunterkünfte und selbständiges & betreutes Wohnen

• Kurzzeit- oder Tagespflegezentren

• Vorübergehende Pflege und Betreuung

• Digitale Betreuung und technische Hilfsmittel

• Adaptierungen für inklusive Bildung

• Adaptierungen für eine inklusiven Arbeitsmarkt

• Transport (Fahrzeuge, etc.)

Soziale Dienstleistungen spielen eine wichtige Rolle für

  • Den sozialen Zusammenhalt, denn die Anbieter von sozialen Dienstleistungen spielen eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einer Gesellschaft, die den Zugang zu sozialen Rechten für alle und das Wohlbefinden aller stärkt, die gegen Ausgrenzung und Marginalisierung kämpft, die ein Zugehörigkeitsgefühl schafft, die gegenseitiges Vertrauen fördert und die seinen Mitgliedern eine Chance für den sozialen Aufstieg gibt.
  • Nachhaltiges und inklusives Wirtschaftswachstum, denn der soziale Zusammenhalt ist das Herzstück, um allen Menschen eine aktive Teilhabe an der Gemeinschaft, am Arbeitsleben und an der Bildung zu ermöglichen. Das wiederum führt zu höheren Beiträgen an die Wirtschaft und damit zu Wachstum.
  • Die Schaffung von Arbeitsplätzen wegen der dreifachen Wirkung des Sozialbereichs auf Arbeitsplätze. Erstens beschäftigt der Sektor bereits 10,106.800 Mitarbeiter/innen (EC, 2016)[1] und er wird weiter wachsen, um auch in Zukunft allen Menschen den Zugang zu hochwertigen sozialen Dienstleistungen zu garantieren; vor allem in Zeiten von demografischen Veränderungen. Zwischen dem zweiten Quartal 2008 und den zweiten Quartal 2015 entstanden 1,477.000 neue Arbeitsplätze im Sozialbereich (EC, 2016). Zweitens leisten die Anbieter von sozialen Dienstleistungen einen wesentlichen Beitrag, Menschen, die der Arbeitsmarkt ausgeschlossen hat, wieder in Beschäftigung zu bringen; entweder direkt oder indirekt. Drittens ermöglicht das Angebot von hochwertigen sozialen Dienstleistungen eine höhere Teilnahme am Arbeitsmarkt für Personengruppen, die oft ausgeschlossen sind, insbesondere für Frauen.

 


[1] European Semester Thematic Fiche – Health and Health Systems

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